ERDANZIEHUNG

Live-Foto & Filmshow

Syrien

Erinnerungen an ein Land ohne Krieg


Termin

Sonntag, 15.03.20 | 14.00 Uhr

Barbarasaal |
Am Katzenstadel 18 | 86152 Augsburg


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Live-Foto & Filmshow

Syrien

Erinnerungen an ein Land ohne Krieg

Von und mit Lutz Jäkel

Syrien war stets ein Scharnier zwischen Orient und Okzident, viele Kulturen und Völker haben ihre Spuren hinterlassen und Syrien zu einem der schönsten und bedeutendsten Kulturräume der Welt gemacht.

Die Bilder, die uns seit 2011 aus Syrien erreichen, lassen diesen Reichtum in Vergessenheit geraten. Die Tragik und Brutalität des Krieges dominieren die Medien. In einem Zeitraum von 20 Jahren reiste der Fotojournalist, Autor und Islamwissenschaftler Lutz Jäkel immer wieder nach Syrien - bis zum Ausbruch der Unruhen und Aufstände im März 2011.

In seiner Live-Reportage zeigt er ein Syrien, das bei uns fast unbekannt ist.

Das bunte und vielfältige Leben der Menschen, die prachtvolle Architektur Palmyras, der Suq von Aleppo, die Wohnhäuser und Straßenzüge von Damaskus, dichte Wälder - vieles ist seit dem Ausbruch des Krieges unwiederbringlich zerstört. Lutz zeigt Syriens Schönheit zeitlos und lebendig, belegt die Einzigartigkeit dieser Region, zeugt von herzlichen Begegnungen, kultureller Fülle, einem meist friedlichen Miteinander der Religionen und Ethnien. Eindrucksvoll dokumentieren seine Fotos den Alltag bis 2011, zeigen, wie man in Syrien lacht und einkauft, arbeitet, betet, diskutiert und feiert. Die Erzählungen beschwören den Duft von getrockneten Kräutern im Suq, die ausgelassene Geräuschkulisse eines geselligen Abends und den zarten Wind, der über die Gipfel eines Berges streicht.
Voller Wärme berichten außerdem in dieser Live-Reportage Syrer, Deutsch-Syrer und Deutsche in Videos von ihrem Syrien, lassen den Zuschauer teilhaben an ihren Erlebnissen und Erfahrungen, die geprägt sind von Fröhlichkeit und Wehmut, Betroffenheit und Trauer.

So entsteht ein gleichermaßen persönliches wie breites Bild - und ein Brückenschlag voller Hoffnung und Empathie für ein Syrien nach dem Krieg.

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zur Person

Lutz Jäkel

Lutz Jäkel, Jahrgang 1970, ist Foto- und Videojournalist, Buchautor, Islamwissenschaftler und Historiker und hat in Hamburg, Damaskus (Syrien) und Sanaa (Jemen) studiert. Als Kind aufgewachsen in Istanbul, bereist und fotografiert er seit vielen Jahren die Welt und schreibt darüber. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und werden vermarktet durch die renommierte Fotoagentur laif in Köln. Schwerpunkt ist die arabische und islamische Welt. Seine Reportagen erscheinen in Büchern, Magazinen und Zeitungen u.a. in Stern, Spiegel, Spiegel Online, GEO, Abenteuer und Reisen, Merian, Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Lutz Jäkel lebt in Berlin.

 

Interview mit Lutz Jäkel über Syrien

Deine Live-Reportage handelt nicht von dem Syrien wie es heute jeder kennt, vielmehr ist es eine Reportage über das Syrien vor dem Krieg.

Das stimmt. Ich bin über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren regelmäßig nach Syrien gereist, ich habe eine Zeitlang in Damaskus gelebt. Zuletzt war ich im Frühjahr 2011 dort, also kurz vor Beginn der ersten Demonstrationen und dem sich anschließenden Krieg. Daher kenne ich die besondere Vielfalt des Landes ganz gut, den, wie ich es immer gerne formuliere, kulturellen und vor allem menschlichen Reichtum Syriens. Dieses Bild hat bei uns fast niemand vor Augen, es ist nahezu unbekannt. Unsere Vorstellung von Syrien ist geprägt durch die fürchterlichen Bilder, die uns in den letzten Jahren durch den Krieg erreichen.

Gibt es für dich ein besonders schönes Erlebnis in Syrien?

Ich kann sagen, dass ich beruflich als Fotoreporter und Autor viel von der Welt sehen darf. Aber nichts hat mich mehr beeindruckt und damit nachhaltiger geprägt als die Begegnungen mit den Menschen in Syrien. Sie begegnen einem in aller Regel mit Neugier und Offenheit, zeigen oft eine sehr selbstlose Gastfreundschaft. Daher fällt es mir schwer, ein besonders schönes Erlebnis in Syrien zu beschreiben, es gibt einige. Von solchen Begegnungen erzähle ich in meiner Live-Reportage.

Du zeigst den Alltag vor 2011, wie man in Syrien lacht und einkauft, arbeitet und isst, betet, raucht, diskutiert und feiert. Wie hast du es geschafft, so tiefe Einblicke zu gewinnen?

Es war sicher von Vorteil, dass ich mich im Rahmen meines Studiums der Islamwissenschaften intensiv mit der Kultur und Geschichte Syriens beschäftigt habe. Ich habe syrisches Arabisch gelernt, auch wenn es leider inzwischen eingerostet ist. Viele Reisen, das Leben in Damaskus, ein bisschen die Sprache, gepaart mit der Offenheit vieler Syrer und selbst offen und neugierig sein, das öffnet viele Türen und Herzen. Hinzu kommt, dass ich vor rund zehn Jahren für ein Buchprojekt über Syrien mit einem sehr guten Freund, der aus Syrien kommt, aber seit vier Jahrzehnten in Deutschland lebt, zusammen zwei größere Reisen durch seine Heimat unternommen habe. Das hat natürlich noch mal einen ganz besonderen Blick in Freundes- und Familienkreise ermöglicht.

Da du dich in Syrien ja ganz gut auskennst, was würdest du sagen, wie viel hat das in Deutschland vorherrschende Bild von Syrien mit der Realität zu tun?

Ich fürchte: sehr wenig. Das ist zumindest mein Eindruck aus Gesprächen, meiner beruflichen Arbeit und meinem Engagement in sozialen Medien, in denen ich auch versuche, meine Erfahrungen und Einblicke zu vermitteln. Wir erleben derzeit eine emotional sehr aufgeladene Diskussion beim Thema Geflüchtete. Da wird wenig bis gar nicht differenziert, da sind alle Geflüchtete – vor allem dann, wenn sie aus islamischen Ländern kommen – im besten Fall alle gleich und im schlimmsten Fall eine Gefahr. Wenn ich versuche, von eben jenen besonderen Begegnungen in Syrien zu berichten und den Fokus darauf zu legen, doch mehr auf das zu schauen, was uns verbindet als auf das, was uns trennt – weil man eben überrascht feststellte, dass das Verbindende sehr viel mehr ist – dann glauben manche, ich erzählte von einem anderen Stern. Oder ich sei hochgradig naiv. Dabei erzähle ich nur von Selbsterlebtem. Vor allem von der reichen Kultur und Geschichte des Nahen Ostens und vor allem Syriens wissen viele Menschen leider so gut wie nichts. Andererseits erlebe ich aber auch, vor allem auch bei meiner Live-Reportage, wie groß das zivilgesellschaftliche Engagement für Geflüchtete ist. Oft kommen als Zuschauer deutsche Familien mit „ihren“ Syrern, um die sich kümmern, damit sie endlich mal das Land kennenlernen, von denen „ihre“ Syrer in aller Regel immer so begeistert erzählen. Hinterher komme ich mit diesen Menschen ins Gespräch, und auch das sind wunderbare Begegnungen, weil sie Hoffnung machen. Und bei dem einen oder anderen Syrer fließt auch mal ein Tränchen, wenn sie auf der Leinwand ihr Syrien sehen.

Du hast sicherlich viele syrische Freunde. Wie geht es ihnen? Was machen und denken sie?

Ich habe einige Freunde, ja. Einem sehr guten Freund und seiner Familie konnten Freunde von mir und ich zur Flucht nach Deutschland verhelfen. Davon erzähle ich auch in der Live-Reportage. Mit anderen bin ich in Kontakt, über E-Mails oder auch über Facebook. Wie es ihnen geht? Tja. Wie soll man diese Frage beantworten, wenn es um Menschen geht, die in einem Land leben, in dem es seit über sieben Jahren Krieg gibt? Wenn sie leben, geht es ihnen schon gut.

Welche unbekannten Einblicke und wichtigen Erkenntnisse erwarten die Zuschauer während deines Vortrages?

Zunächst sehen sie ein Syrien, wie es die allermeisten Zuschauer nicht kennen werden. Wir sehen ja fast nur noch Bilder des Krieges in den Medien. In meiner Live-Reportage kommen auch in kurzen Video Syrer, Deutsch-Syrer und Deutsche, die in Syrien gelebt haben, zu Wort. So entsteht ein breites Bild Syriens, so setzen wir den Bildern des Krieges etwas entgegen, um den Reichtum des Landes und vor allem die Menschen nicht vergessen zu lassen. Und als wichtigste Erkenntnis werden die Zuschaue mitnehmen, so hoffe ich jedenfalls, dass es zu unterscheiden gilt zwischen den Menschen und dem vielfältigen Leben in Syrien – und dem politischen, also diktatorischen System, von dem auch unser Bild des Landes geprägt ist.

 

 

Lutz Jäkel

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